Alma Deutscher

Rezensionen aus der deutschsprachigen Presse

Kronenzeitung, 18.7.2017, Andrea Hein

 

 

Erstaunliche Klänge eines Wunderkindes. Komponistin und Solistin Alma Deutscher (12) sorgte für Jubel bei der Eröffnung des Carinthischen Sommers. 

Sie ist erst zwölf Jahre alt. Im zarten Alter von zwei begann sie mit dem Klavierspiel, mit drei kam die Violine dazu, mit vier begann sie zu komponieren. Neben anderen Werken schrieb sie die 2016 uraufgeführte Oper „Cinderella“. Und so dauerte es nicht lange und Alma Deutscher erhielt das Attribut „Wunderkind“. Zubin Mehta bezeichnete sie sogar als eines der bedeutendsten Musiktalente. Jetzt konnte man die Britin als Komponistin und Solistin beim Eröffnungskonzert des Carinthischen Sommers im vollen Congress Center Villach erleben… Sie selbst betont in ihren Interviews, dass sie „schöne“ Musik schreiben wolle und ruhig in Kauf nehme, als altmodisch bezeichnet zu werden. Nach ihrer hübschen Ouvertüre „Tanz der Meerjungfrauen“ lauschte man dem nochmals überarbeiteten 1. Violinkonzert, bei dem Deutscher auch gleich den Geigenpart übernahm: Empfindsam und sauber ist ihr Spiel, wobei sie durchaus auch kraftvoll zupacken kann. Ihre enorme Virtuosität und selbstbewusste Reife überraschte. Zum Finale war sie dann als Pianistin in der Uraufführung ihres 1. Klavierkonzertes zu hören: auch hier viele feine Töne und eine erstaunlich hohe Technik. Und weil der Jubel des Publikums nicht enden wollte, gab Alma noch eine pianistische Zugabe – aber was für eine! Sie ließ von verschiedenen Zuhörern aus einem Täschchen, das ein kleines Mädchen herumtrug, Zettel mit je einer Note ziehen. Über diese vier Töne begann sie dann fulminant zu improvisieren und ließ die Funken nur so sprühen. (Kleine Zeitung Kärnten, 18 Jul 2017, Helmut Christian.)

Der Standard: Elfjährige Alma Deutscher brilliert mit erster Oper (LJUBISA TOSIC, 30. Dezember 2016)

Die Oper der elfjährigen britischen Komponistin Alma Deutscher sprüht vor originellen Einfällen. Wien – An diesem Abend im Casino Baumgarten ist Alma Deutscher quasi überall. Sie begleitet Cinderella vom Klavier aus, steht plötzlich auf der Bühne neben der Hauptfigur und haucht auf der Geige delikat Zweitstimmen zu den ariosen Bekenntnissen der Märchendame, die hier Komponistin ist und im Opernhaus von ihrer Stiefmutter (Intendantin) traktiert wird. Dann singt Alma Deutscher aber auch noch in einer Szene mit und gibt in der Pause ganz heiter Autogramme, lässt sich fotografieren und herzen. Erstaunlich entspannt ist dabei dieses erstaunliche Mädchen, das auch diese erstaunlich gute Oper selbst geschrieben hat. Stilistisch pendelt Cinderella unbeschwert zwischen Wiener Klassik (viel Mozart) und früher Romantik (Mendelssohn und etwas Schumann). Aus diesem Fundus der Musikgeschichte tauchen allerdings bemerkenswerte Eingebungen auf, die das psychologische Korsett der Figuren verstehen. Hier versetzt sich jemand mit sehr viel Einfühlungsvermögen in die Charaktere. Und er versteht es auch, Szenen aufzubauen, sie in Spannung zu halten und dichte Atmosphären zu orchestrieren. Inhalt? Cinderella hat mit einem Prinzen zusammenzufinden, der Dichter ist. Es findet Aschenputtel also ein Gedicht, ohne zu wissen, dass es der Prinzenfeder entsprungen ist und vertont es. Bis zum Happy End gibt es Verwicklungen, und Alma Deutscher beweist dabei Talent zum Humorigen wie zur Melancholie. Regisseur Dominik Am Zehnhoff-Söns belebt das Ganze filmisch und lässt viel Platz für heitere Exaltation. Anna Voshege, Katrin Koch und Catarina Coresi nutzen diese Gelegenheit als Stiefmutter und Schwestern. Nett auch Theresa Krügl in der Titelpartie und Lorin Wey (Prinz), solide das Orchester Oh!pera unter Vinicius Kattah. Alma Deutscher genoss hernach den großen Erfolg. Sie möge die Chance bekommen, sich behutsam weiterzuentwickeln, einen eigenen Stil zu finden und das Leben kennenzulernen.

Opernwelt, Feb. 2017 (Gerhard Persché)

Die Oper ist in der Tat erstaunlich – so erstaunlich, dass Zubin Mehta den Ehrenschutz der Aufführung im Dezember im Casino Baumgarten in Wien übernahm. Freilich ist es keine Auseinandersetzung mit der Musik unserer Zeit; vielmehr sog Alma die diversen Strömungen des späteren 18. und des 19. Jahrhunderts auf. Das klingt dann alles ein bisschen nach Mozart, nach Schubert, nach Tschaikowsky. Doch nie so, dass man den Hut vor allzu Bekanntem ziehen müsste. Alles hat durchaus seine Eigenart. Und vor allem hat Alma Deutscher ihre Einfälle hochprofessionell verarbeitet; die Instrumentation ist stupend, die Dramaturgie stimmt. Trotz der fast drei Stunden Länge (mit Pause) kommt nie Langeweile auf.

Alma Deutscher: Wunder gibt es immer wieder. Die Renaissance des deutschen Singspiels

Mozart, Schubert und Tschaikowski sind ihre Lieblingskomponisten, das hört man, auch wenn der sphärische Beginn von Alma Deutschers »Cinderella« gleichermaßen an die ersten Takte des Strauss’schen Donauwalzers wie an die Wogen in Wagners »Rheingold« denken lässt. Was folgt, ist gleichsam die Wiederbelebung des deutschen Singspiels, eine melodienreiche Nummernoper, die stark von der Wiener Klassik geprägt ist und deren feine Orchestrierung von gesprochenen Dialogen zusammengehalten wird. Diese musikalischen Referenzen sollen den hohen Grad der Verblüffung, die den Autor während der Wiener Uraufführung im schmucken Casino Baumgarten ereilt hat, nicht kaschieren, im Gegenteil: Die Komponistin, die während der Vorstellung überdies Geige spielt, am Klavier begleitet und einmal kurz als Sängerin auf die Bühne springt, ist mit ihren gerade einmal elf Lebensjahren zweifellos ein Wunder…. Bald war klar: Deutschers »Cinderella« ist weit mehr als eine Kinderoper. Gefällig und zugleich von hoher musikalischer Qualität ist es vermutlich kein Werk, das nach der Uraufführung in der Versenkung verschwinden wird. Orpheus 02/2017 (Stephan Burianek)

Der neue Merker: Uraufführung der Oper „CINDERELLA“ (Karl Masek)

Alma Deutschers musikalische Vorbilder kommen aus der Wiener Klassik und dem 19.Jahrhundert. Schubert scheint ihr öfter über die Schulter geschaut zu haben. Die Stiefmutter bekommt eine bombastische Arie, und der Vergleich mit einer Königin der Nacht drängt sich fast auf. Operettiges á la Lehár, auch musicalhaft anmutende Passagen (sehr effektvoll instrumentiert) scheinen da „um die Ecke zu blicken“. Was man wirklich verblüfft wahrnimmt, ist, dass die Komponistin wunderbar verschiedene (Seelen)stimmungen einfangen kann. Die traurige Ballade der Cinderella, die leitmotivisch immer wiederkehrt, die Verzweiflung des weltfremden Prinzen-Poeten, der an der Staatsführung so überhaupt kein Interesse zeigt, die Bösartigkeit des Damen-Trios: Alles wird kongenial in Musik gegossen. Wirklich inspiriert hört sich das alles an – und auch in der Instrumentation so, als wüsste die Künstlerin immer genau, was sie wie umsetzen will. Da ist nichts willkürlich oder dem Zufall überlassen.
Regisseur Dominik Am Zehnhoff-Söns gelingt mit einfachen Mitteln – drei Sessel genügen als Requisiten – , aber einer effektvollen Lichtregie (Bernhard Hitzenhammer) und wunderbaren Videoanreicherungen (Evelyn Fey) eine Inszenierung voll Theatermagie. Königsschloss, Wald, der Dachboden, in den Cinderella nach dem für die Stiefschwestern so erfolglosen Ball eingesperrt wird: Alles da. Kinder und Erwachsene können eintauchen in eine zauberhafte Märchenwelt. Ja, auch Prise Kitsch inbegriffen. Üppig die Kostüme (Celia Sotomayor , die überhaupt als Produktionsleiterin fungiert), gekonnt die Personenführung. Der junge Sängernachwuchs besticht, überzeugt, bezaubert mit bemerkenswerten Leistungen: Theresa Krügl ist mit höhenexpansivem Sopran eine ideale Cinderella nach Alma Deutschers Willen. Da könnte eine sehr interessante Mozartsängerin heranwachsen. Figaro-Susanna und Pamina würde man ihr jetzt schon abnehmen. Aparte, mädchenhafte Bühnenerscheinung, ausdrucksvolle Stimmgebung stellt man erfreut fest. Lorin Wey beglaubigt mit sozusagen bildhübschem Tenor, intensivem Spiel von frustriert, tief verzweifelt bis strahlend glücklich, in Optik und Bühnenpräsenz einen Bilderbuch-Prinzen. …Mit ausladendem Spiel und scharfer Stimmprofilierung (ein bisschen Outrage darf da schon sein!) war Catarina Coresi die lustvoll karikierte Stiefmutter mit Ljuba-Welitsch-hafter Primadonnen-Allüre und dem dazugehörigen Akzent, der ebenfalls an die Unvergessliche erinnerte. Die australisch-deutsche Koloratursopranistin Anna Voshege ist als Stieftochter Griselda eine quirlige, urkomische „Bühnentussi“ mit toller Stimme. Desgleichen Kathrin Koch als ihre Schwester Zibaldona mit üppigem Mezzosopran. Die beiden lieferten sich zwerchfellerschütternde Streitszenen. Gregor Einspieler war mit etwas trockenem Bariton (und schon durch seine Körpergröße von schätzungsweise zwei Meter plus) ein bühnenbeherrschender König, Florian Stanek, Absolvent der MUK Universität Wien, Abteilung Unterhaltungstheater, war in einer Sprechrolle der witzige, geplagte Minister am Königshof. Veronika Dünser, Schülerin von Marjana Lipovšek, rundete mit satter Altstimme als Emeline und Gute Fee die erfreuliche Besetzung trefflich ab. Dirigent Vinicius Kattah war der souveräne musikalische Leiter dieses Unternehmens, sehr motiviert das Oh!pera-Orchester.
​Große Begeisterung im Publikum, Gratulation an die Ausnahmekönnerin Alma Deutscher, man gönnt ihr weitere Erfolge. Ihre Zukunft sollte man mit Neugier weiter verfolgen. Man möge sie jedoch in Ruhe reifen lassen und vor medialer Ausbeutung schützen!


Salzburger Nachrichten: Cinderella hört den Klang der Seele (Ernst P. Strobl)

Wer elfjährige Kinder zu Hause hat, aufgepasst! Wer weiß denn schon genau, was in solch zarten Wesen schlummert? Da ist etwa eine Elfjährige namens Alma Deutscher, die wirkt auf den ersten Blick völlig normal, ist entzückend, zugänglich, spielt gern mit ihrer Springschnur – und schreibt Musik. Was heißt Musik: Am Donnerstag wurde eine dreistündige Oper von Alma Deutscher uraufgeführt. Im Casino Baumgarten ging die mit Spannung erwartete Premiere über die Bühne, und man durfte verblüfft sein. Auch wenn Erwachsene beim Libretto geholfen haben – die Musik ist allein von Alma.…Nach diesen drei Stunden kriegt das unbeschwerte Kind, das sogar leibhaftig im Bühnengeschehen mit blitzsauberem Ton als Geigerin auftauchte und sich am Klavier Passagen vorbehalten hatte und das vor allem sich so offensichtlich und herzlich über die Standing Ovations freute, doch so etwas wie die rätselhafte Aura eines Aliens. Das muss man der blutjungen Komponistin lassen: Sie hat bei allen Reminiszenzen an Frühklassik und Romantik in ihrem Singspiel jegliche Banalität in ihrem harmonischen Kosmos vermieden und theatermäßig instrumentiert. Kommt etwa die Stiefmutter, klingt es fast nach Königin der Nacht. Cinderella hat eine rührende Ballade, es gibt sogar ein Schlussoktett. Eines ist jedenfalls sicher: Alma Deutscher ist wahrlich ein Phänomen.


Tiroler Tageszeitung (APA): Operntriumph für elfjährige Komponistin (Martin Fichter-Wöß)

Die elfjährige Britin Alma Deutscher schafft mit ihrer zweiten Oper Klänge der Vergangenheit, die dennoch schon einen eigenständigen Weg weisen.
Alma Deutscher kann einem durchaus Angst machen. Die elfjährige Britin ist nicht nur eine für ihr Alter hervorragende Violinistin und Pianistin und ein charmantes, quirliges Mädchen, sondern auch noch Komponistin. Und das nicht von kleinen Sonaten – sonder gleich einer ganzen Oper. Am Donnerstagabend feierte „Cinderella“ im Wiener Casino Baumgarten umjubelte Uraufführung in neuer Fassung. Eine Kammerversion von „Cinderella“ wurde bereits im Vorsommer in Israel präsentiert. Für die Premiere in Wien überarbeitete Alma das Werk nun grundlegend und hält sich hierfür mit ihrem Vater, dem Sprachwissenschafter Guy Deutscher, schon seit Wochen in Wien auf. Und um den handelsüblichen Tonsetzer, der erst nach dem Musikstudium und mit Ende 20 die Arbeit aufnimmt, noch mehr zu deprimieren, ist „Cinderella“ streng genommen bereits die zweite Oper von Alma, rechnet man das kurze Musiktheaterwerk „The sweeper of dreams“ hinzu, das sie mit sieben Jahren komponierte. Ihre Inspiration holt sich Alma in einem Fantasieland namens Transsylvanien (nur zufällig namensgleich mit der Dracula-Heimstätte) samt Hauptstadt Brasslichmei, in das sich die Kleine täglich gedanklich zurückzieht und dort mit fiktiven Bewohnern, darunter auch Komponisten spricht und sich deren Melodien „ausleiht“. Hauptinspirationsquelle für „Cinderella“ sei der von ihrer Imagination erschaffene Antonin Yellowsink gewesen. Der scheint jedenfalls stark von Rossini, Gounod und Mozart beeinflusst, ist der erste Eindruck, wenn man sich Almas „Cinderella“ anhört. Die eigene Tonsprache muss die kleine Komponistin noch entwickeln, und doch ist das Singspiel in Mozart‘scher Tradition mehr als reiner Pastiche, sondern besitzt schon Eigenständigkeit. Alma arbeitet mit Leitmotiven und würzt die scheinbaren Klänge aus vergangenen Zeiten durchaus mit Witz – da kommt manche von einem Erwachsenen geschriebene Kinderoper bemühter und verkrampfter daher. Dissonanzen sucht man indes vergeblich – bis Schönberg in Transsylvanien auftaucht, wird es wohl noch eine Weile dauern… Die Schirmherrschaft über das Projekt hat Zubin Mehta übernommen, der vor kurzem vor Journalisten die Nachwuchskomponistin in den höchsten Tönen lobte: „Alma Deutscher ist ein Genie.“ Und das gelte nicht nur für ihre Arbeit als Tonsetzerin, sondern auch für ihr Violin- und Klavierspiel. „Sie spielt wie ein Kind – aber mit perfekten Intonationen. Man glaubt, es ist ein Synthesizer – so perfekt intoniert sie“, zollte die 80-jährige Dirigentenlegende der Elfjährigen seinen Respekt. Allerdings gibt es wohl keinen Synthesizer der Welt, der so strahlen kann wie die junge Violinistin, die bei „Cinderella“ in einer Szene selbst auf der Bühne steht und beim Abschlussapplaus an glückseliger Coolness jedes Ensemblemitglied bei weitem übertrumpft.


Der Standard: Alma und die gefährliche Liebe zur Melodie (Robert Schediwy, 13.1.2017)

Jüngst fand im Baumgartner Casino die deutschsprachige Uraufführung von Alma Deutschers Oper “Cinderella” statt. Ich hatte das Privileg, dabei zu sein und die Begeisterung des Publikums hautnah zu erleben. Es gab Standing Ovations für die junge Komponistin, für ihr Werk und für die engagierten Mitwirkenden. In den darauf folgenden Medienkommentaren dominierte das Staunen über die Begabung der erst elfjährigen Komponistin, die auch als Violinistin und am Klavier hervorragende Figur macht. Auch die Sorge, man möge ihr doch nicht das Kind sein nehmen, wurde häufig angesprochen. Recht selten kam es zu Stellungnahmen betreffend den Charakter der Kompositionen der kleinen Alma. Der Vergleich mit dem kleinen Mozart, der seine erste Oper auch mit elf Jahren aufgeführt sah, wurde erwähnt und zugleich zurückgewiesen (Alma selbst scheint ihn auch nicht sehr zu schätzen). Und gelegentlich wurde die – korrekte – Bemerkung gemacht, Almas Oper sei der klassisch-romantischen Tradition verpflichtet. Woraufhin Kenner einfügten, auch der junge Mozart sei ja nicht aus dem Nichts gekommen, komme von der Mannheimer Schule her et cetera. Der rauschende Erfolg, den das Wunderkind Alma Deutscher derzeit erntet, wird also vorwiegend unter den Gesichtspunkt der kindlichen Hochbegabung erörtert. Es gäbe aber auch einen anderen Zugang. Nehmen wir einmal an, die Oper “Cinderella” wäre nicht von einem elfjährigen Kind geschrieben worden sondern von einem vierzigjährigen Mann, und die Uraufführung fände nicht in einem vorstädtischen Casinosaal statt sondern im einem staatlichen Opernhaus. Käme es zu ähnlichen Jubelstürmen des Publikums? Ich vermute ja. Und würde die Kritik ähnlich freundschaftlich und sympathisierend auftreten? Keineswegs. Es wäre vielmehr damit zu rechnen, dass Deutschers Werk als “unzeitgemäßer” Kitsch abgetan würde und die darin zum Ausdruck kommende unbefangene Liebe zur Melodie als Dokument musikalischer Minderwertigkeit. Bei allzu großem Publikumserfolg wäre mit bitteren Attacken seitens “avancierter” Kulturtheoretiker zu rechnen, die Subventionshähne würden abgedreht und das Gespenst eines “Kulturpopulismus” heraufbeschworen. Diese Gefahr bedroht auch eine älter gewordene Alma Deutscher, wenn sie bei ihrer Liebe zur Melodie bleibt. Sie wäre dabei aber nicht in schlechter Gesellschaft. Theodor Adorno vermerkte zur Musik Giacomo Puccinis giftig, solche Musik sei “umso schlechter je prätentiöser sie sich gebärde”, und ähnliches war auch von Gerard Mortier zu hören, der ja dem Vernehmen nach über die Salzburger Festspiele eine Art Puccini-Bann verhängte. Hobbytenöre können allerdings mit dem “Nessun dorma” in Castingshows immer noch Triumphe feiern, und Welterfolge nach der Art “Time to say good-bye” bekunden das Überleben der opernhaften Gesänge. Vielleicht kann die so oft totgesagte Oper in der Rückwendung zur Melodie neue Lebenskraft gewinnen. Das geniale Kind Alma könnte daran seinen Anteil haben. Robert Schediwy, Der Standard, 1/2017.